Erfolgreiche Strategie zur Sicherstellung nachhaltiger Wirtschaftlichkeit im Kundengeschäft widerspricht dem genossenschaftlichen Förderauftrag.
Im Monatsbericht September 2017 der Deutschen Bundesbank wird über die Entwicklung der  deutschen Kreditinstitute und die Ertragslage zum Ende des Jahres 2016 berichtet.
Den Zahlen der Kreditgenossenschaften ist dabei folgendes zu entnehmen:
  1. a) Zahl der Zweigstellen
Zahl der Zweigstellen von 2015 auf 2016 um 666 auf 10.156 gesunken[1]
  1. b) Anzahl der Vollzeitmitarbeiter
Zahl der Vollzeitmitarbeiter von 2015 auf 2016 um 4.250 Mitarbeiter gesunken.[2]
c)Betriebsergebnis (Gesamtkapitalrentabilität)
Bei der Berechnung der Gesamtkapitalrentabilität wird der Jahresüberschuss vor Steuern in Relation zur durchschnittlichen  Bilanzsumme (berechnet aus den vergangenen zwölf einzelnen Bilanzsummen am Ende des jeweiligen Monats) gesetzt.
Beispiel: Bei einer durchschnittlichen Bilanzsumme von 100 Millionen Euro und einem Betriebsergebnis vor Steuern von 1 Million Euro errechnet sich daraus eine Gesamtkapitalrentabilität von 1%
Zur Gesamtkapitalrentabilität aller deutschen Kreditinstitute im Jahresabschluss 2016 wird folgendes ausgeführt:
„Für das gesamte deutsche Bankensystem verbesserte sich diese Maßzahl  mit  0,33% um  0,02  Prozentpunkte zum dritten Mal in Folge leicht. Einzig bei  den  Landesbanken, Banken  mit  Sonder-, Förder- und sonstigen Unterstützungsaufgaben sowie  den  Realkreditinstituten  nahm die  Gesamtkapitalrentabilität ab.“[3]
Bezogen auf alle deutschen Kreditinstitute lag das Betriebsergebnis im Durchschnitt bei 0,33%der durchschnittlichen Bilanzsumme.
Bei den Einzelzahlen wird über das Betriebsergebnis der deutschen Kreditgenossenschaften folgendes berichtet:
„Die Sparkassen und Kreditgenossenschaften wiesen mit Kennziffern von 0,89% und 0,92% die höchste Profitabilität im deutschen Bankensektor auf. Die Realkreditinstitute (0,18%), die Großbanken (0,12%) und die Landesbanken    (– 0,06%) hatten im Bankengruppenvergleich die geringste Profitabilität.“[4]
Fazit: Die Genossenschaftsbanken haben das beste Betriebsergebnis im deutschen Bankensektor. Ist diese Entwicklung mit dem Genossenschaftsgedanken vereinbar.  Auch Genossenschaften, die das Bankgeschäft betreiben haben den gesetzlichen Auftrag ihre eigenen Mitglieder bei Ihren Geschäften mit Ihrer Genossenschaft zu fördern anstatt ihnen erhöhte Zinsen und Gebühren zu berechnen.
Während die Großbanken im Durchschnitt pro 100 Millionen Bilanzsumme 0,12% oder 120.000 € vor Steuern verdienen, liegt das Ergebnis bei den Genossenschaftsbanken bei durchschnittlich 0,92%.  Das sind pro 100 Millionen Bilanzsumme 920.000,– €, also das mehr als 7-fache der Großbanken.
„Bei den Sparkassen bewegten sich 80% aller Gesamtkapitalrentabilitäten  zwischen 0,4%  und 1,3% und bei den Kreditgenossenschaften zwischen 0,6% und 1,4%.“[5]
Das wiederum bedeutet, dass das niedrigste Betriebsergebnis einer Genossenschaftsbank bei 0,6% oder 600.00,– € pro 100 Millionen Bilanzsumme und das höchste Ergebnis bei 1.400.000,– € gelegen hat.
Selbst das niedrigste Betriebsergebnis vor Steuern von 0,6% beträgt noch immer das 5-fache der Großbanken oder fast das Doppelte der Gesamtkapitalrentabilität von 0,33% aller deutschen Kreditinstitute zusammen.
Eigentlich sollte man meinen, dass die zur Überwachung der Einhaltung der Vorschriften des Genossenschaftsgesetzes eingesetzten monopolistischen Genossenschaftsverbände hier laut aufschreien müssen. Einfach deswegen, weil es in einer Rechtsform, die den gesetzlichen Pflichtauftrag hat, ihre eigenen Mitglieder bei ihren Geschäften mit der Genossenschaftsbank unmittelbar zu fördern, nicht möglich sein kann, dass pro Jahr das Doppelte verdient wird als im Durchschnitt bei allen deutschen Banken.
Doch gerade das Gegenteil ist der Fall. Volks- oder Raiffeisenbanken die unterhalb des Durchschnitts von 0,92% liegen werden zu Fusionen gedrängt. Den Mitgliedern wird mit Aussagen dass das Betriebsergebnis ständig unter dem Durchschnitt liegt und zu befürchten ist, dass es noch weiter sinkt eindringlich die Notwendigkeit einer Fusion nahegelegt.
Ertragslage Volks- und Raiffeisenbanken: Die BVR Cooperative GovernanceStrategie  zur Sicherstellung nachhaltiger Wirtschaftlichkeit im Kundengeschäft ist aufgegangen. Die Besonderheiten der Rechtsform Genossenschaft wurden in der BVR Strategie grob vernachlässigt.
Die Staatsaufsicht, welche die Aufsicht über die Genossenschaftsverbände ausübt aber auch darüber ob die Genossenschaften den Förderauftrag erfüllt, also die Mitglieder unmittelbar bei deren Geschäften fördert, schweigt dazu.
Woran das wohl liegt?

Erschienen am 13.12.2017

Literaturempfehlung: Die Abkehr von der Genossenschaftsidee. Werden die  Mitglieder der Volks- und Raiffeisenbanken verraten und verkauft

„Genossenschaften sorgen dafür, dass niemand zurückbleibt“

[1]Deutsche Bundesbank Monatsbericht September 2017: Die Ertragslage der Deutschen Kreditinstitute im Jahr 2016, S. 61
[2]Ebenda
[3]Ebenda S. 73
[4]Ebenda
[5]Ebenda, S. 73
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Georg Scheumann

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Im Monatsbericht September 2017 der Deutschen Bundesbank wird über die Entwicklung der  deutschen Kreditinstitute und die Ertragslage zum Ende des Jahres 2016 berichtet.
Den Zahlen der Kreditgenossenschaften ist dabei folgendes zu entnehmen:
  1. a) Zahl der Zweigstellen
Zahl der Zweigstellen von 2015 auf 2016 um 666 auf 10.156 gesunken[1]
  1. b) Anzahl der Vollzeitmitarbeiter
Zahl der Vollzeitmitarbeiter von 2015 auf 2016 um 4.250 Mitarbeiter gesunken.[2]
c)Betriebsergebnis (Gesamtkapitalrentabilität)
Bei der Berechnung der Gesamtkapitalrentabilität wird der Jahresüberschuss vor Steuern in Relation zur durchschnittlichen  Bilanzsumme (berechnet aus den vergangenen zwölf einzelnen Bilanzsummen am Ende des jeweiligen Monats) gesetzt.
Beispiel: Bei einer durchschnittlichen Bilanzsumme von 100 Millionen Euro und einem Betriebsergebnis vor Steuern von 1 Million Euro errechnet sich daraus eine Gesamtkapitalrentabilität von 1%
Zur Gesamtkapitalrentabilität aller deutschen Kreditinstitute im Jahresabschluss 2016 wird folgendes ausgeführt:
„Für das gesamte deutsche Bankensystem verbesserte sich diese Maßzahl  mit  0,33% um  0,02  Prozentpunkte zum dritten Mal in Folge leicht. Einzig bei  den  Landesbanken, Banken  mit  Sonder-, Förder- und sonstigen Unterstützungsaufgaben sowie  den  Realkreditinstituten  nahm die  Gesamtkapitalrentabilität ab.“[3]
Bezogen auf alle deutschen Kreditinstitute lag das Betriebsergebnis im Durchschnitt bei 0,33%der durchschnittlichen Bilanzsumme.
Bei den Einzelzahlen wird über das Betriebsergebnis der deutschen Kreditgenossenschaften folgendes berichtet:
„Die Sparkassen und Kreditgenossenschaften wiesen mit Kennziffern von 0,89% und 0,92% die höchste Profitabilität im deutschen Bankensektor auf. Die Realkreditinstitute (0,18%), die Großbanken (0,12%) und die Landesbanken    (– 0,06%) hatten im Bankengruppenvergleich die geringste Profitabilität.“[4]
Fazit: Die Genossenschaftsbanken haben das beste Betriebsergebnis im deutschen Bankensektor. Ist diese Entwicklung mit dem Genossenschaftsgedanken vereinbar.  Auch Genossenschaften, die das Bankgeschäft betreiben haben den gesetzlichen Auftrag ihre eigenen Mitglieder bei Ihren Geschäften mit Ihrer Genossenschaft zu fördern anstatt ihnen erhöhte Zinsen und Gebühren zu berechnen.
Während die Großbanken im Durchschnitt pro 100 Millionen Bilanzsumme 0,12% oder 120.000 € vor Steuern verdienen, liegt das Ergebnis bei den Genossenschaftsbanken bei durchschnittlich 0,92%.  Das sind pro 100 Millionen Bilanzsumme 920.000,– €, also das mehr als 7-fache der Großbanken.
„Bei den Sparkassen bewegten sich 80% aller Gesamtkapitalrentabilitäten  zwischen 0,4%  und 1,3% und bei den Kreditgenossenschaften zwischen 0,6% und 1,4%.“[5]
Das wiederum bedeutet, dass das niedrigste Betriebsergebnis einer Genossenschaftsbank bei 0,6% oder 600.00,– € pro 100 Millionen Bilanzsumme und das höchste Ergebnis bei 1.400.000,– € gelegen hat.
Selbst das niedrigste Betriebsergebnis vor Steuern von 0,6% beträgt noch immer das 5-fache der Großbanken oder fast das Doppelte der Gesamtkapitalrentabilität von 0,33% aller deutschen Kreditinstitute zusammen.
Eigentlich sollte man meinen, dass die zur Überwachung der Einhaltung der Vorschriften des Genossenschaftsgesetzes eingesetzten monopolistischen Genossenschaftsverbände hier laut aufschreien müssen. Einfach deswegen, weil es in einer Rechtsform, die den gesetzlichen Pflichtauftrag hat, ihre eigenen Mitglieder bei ihren Geschäften mit der Genossenschaftsbank unmittelbar zu fördern, nicht möglich sein kann, dass pro Jahr das Doppelte verdient wird als im Durchschnitt bei allen deutschen Banken.
Doch gerade das Gegenteil ist der Fall. Volks- oder Raiffeisenbanken die unterhalb des Durchschnitts von 0,92% liegen werden zu Fusionen gedrängt. Den Mitgliedern wird mit Aussagen dass das Betriebsergebnis ständig unter dem Durchschnitt liegt und zu befürchten ist, dass es noch weiter sinkt eindringlich die Notwendigkeit einer Fusion nahegelegt.
Ertragslage Volks- und Raiffeisenbanken: Die BVR Cooperative GovernanceStrategie  zur Sicherstellung nachhaltiger Wirtschaftlichkeit im Kundengeschäft ist aufgegangen. Die Besonderheiten der Rechtsform Genossenschaft wurden in der BVR Strategie grob vernachlässigt.
Die Staatsaufsicht, welche die Aufsicht über die Genossenschaftsverbände ausübt aber auch darüber ob die Genossenschaften den Förderauftrag erfüllt, also die Mitglieder unmittelbar bei deren Geschäften fördert, schweigt dazu.
Woran das wohl liegt?

Erschienen am 13.12.2017

Literaturempfehlung: Die Abkehr von der Genossenschaftsidee. Werden die  Mitglieder der Volks- und Raiffeisenbanken verraten und verkauft

„Genossenschaften sorgen dafür, dass niemand zurückbleibt“

[1]Deutsche Bundesbank Monatsbericht September 2017: Die Ertragslage der Deutschen Kreditinstitute im Jahr 2016, S. 61
[2]Ebenda
[3]Ebenda S. 73
[4]Ebenda
[5]Ebenda, S. 73
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Georg Scheumann

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